Das private Facebook-Profil beruflich nutzen – 5 Tipps, wie das klappt

Beruflich Xing, privat Facebook. So wirbt das soziale Netzwerk Xing auf Facebook. Keine Frage: In den vergangenen Jahren haben viele Nutzer die beiden Netzwerke genau so genutzt. Ich glaube, das ist heute anders – was vor allem an der Entwicklung der Beziehungen auf Facebook liegt.
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Die Grenze zwischen beruflichen und privaten Kontakten verschwimmt in sozialen Netzwerken zusehends. Aus meiner Sicht ist es keine Alternative mehr, berufliche Kontakte auf Facebook abzulehnen. Die Herausforderung liegt mittlerweile vielmehr darin, die richtige Balance zwischen privat und öffentlich, Kollegen und Freunden zu finden – eine Frage der Organisation.

(Zitat aus dem Vortrag „Wie der Job dich findet“ von Jochen Mai (@karrierebibel) und Christine Heller (@punktefrau) im Mai 2013 auf der re:publica.)

Ich habe mein Facebook-Profil im Sommer dieses Jahres für die öffentliche Suche freigegeben. Seitdem erscheint es bei den Google-Ergebnissen meines Namens auf der ersten Seite, u. a. hinter Twitter, dieser Homepage und dem Google Plus-Profil. Es ist für mich auch in Ordnung, wenn der Bild-Hauptaccount von Facebook mit über einer Million Likes Artikel über mein Profil teilt.

VZStory

Vom BILD-Account geteilte Statusmeldung im März 2013

Für Journalisten kann ein öffentlich auffindbares Facebook-Profil mehrere Vorteile haben: Einträge wie oben dienen der Glaubwürdigkeit. Denn für den Leser ist der Link zum Facebook-Profil mit Foto ein viel transparenterer Rückkanal, als eine anonyme E-Mail-Adresse. Als Autor kann ich mir gleichzeitig die eigene Leser-Community ausbauen. Leute können mich finden, und meine öffentlichen Beiträge abonnieren.

Was ich auch aus eigener Erfahrung sagen kann: Die Sorge, mit Nachrichten geflutet, beschimpft oder sonstwas zu werden, ist unbegründet.

Wer Facebook schon immer ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt hat, dem kann das alles egal sein. Doch was macht man als Journalist mit einem Account, der früher privat war, heute auch viele private Informationen enthält und noch immer der privaten Kommunikation mit Freunden dient? Ich kann gut verstehen, dass viele Journalisten in so einer Situation große Zweifel haben, ein Profil öffentlich zu machen.

Ich finde allerdings nicht, dass die bisherige Privatheit eines Profils ein Grund ist, das in alle Ewigkeiten so zu lassen. Gemessen an der Zeit, die man pro Woche mit Facebook verbringt, ist es eigentlich nicht zu viel verlangt, sich auch ausführlich mit den – zugegeben oft verwirrenden – Privatsphäre-Einstellungen zu beschäftigen.

Die folgenden 5 Tipps sollen dabei helfen, das private Facebook-Profil auch beruftlich zu nutzen.

1. Zeig relevante Informationen öffentlich
Gehe auf deine Profilseite, klick auf das Zahnrad auf dem Hintergrundbild und sieh dir so die öffentliche Version deiner Seite an.
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Was Facebook bei allen Nutzern öffentlich macht: Dein Profilbild und neuerdings auch die Auffindbarkeit deines Namens mit Hilfe von Graph Search.
Was du mindestens öffentlich machen solltest: Welchen Beruf du hast, wer dein Arbeitgeber ist, wie die Adressen deiner anderen Social-Accounts sind (Twitter, Instagram, LinkedIn, etc.) und Artikel, über die du beruflich oder in deinem Blog schreibst.

2. Kontrolliere, welche Informationen privat bleiben
Überlege dir: Sollen die Anzahl und die Namen deiner Freunde öffentlich einsehbar sein? Soll dein Beziehungsstatus öffentlich zu sehen sein? Willst du deine Urlaubsfotos oder Schnappschüsse öffentlich teilen? Soll jeder sehen können, welche Seiten du geliked und welche Orte du besucht hast? Ich habe diese Fragen für mich mit Nein beantwortet. Gehe jede Kategorie in deinem Profil durch und stelle sie entsprechend ein.

Schau dir auch in den Privatsphäre-Einstellungen das Menü „Wer kann meine Beiträge sehen?“ an. Facebook bietet hier an, alle alten Beiträge nur für Freunde sichtbar zu machen.
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So bleibt es einem erspart, alle alten Postings einzeln zu bearbeiten. Wenn du ältere Posts trotzdem individuell anpassen willst: Auf deinem Hintergrundbild kannst du dein Aktivitätenprotokoll anklicken. Dort kannst du einzeln einstellen, ob Beiträge, Likes und Kommentare aus der Vergangenheit in der Chronik zugelassen werden sollen und Likes von öffentlichen Posts wieder rückgängig machen.

3. Erstelle Kontakt-Listen
Leg‘ Listen für private und berufliche Kontakte an. Bei Facebook geht das ausnahmsweise erstaunlich einfach. Facebook schlägt dir automatisch Listen vor, du kannst aber beliebig viele eigene Listen anlegen und deine Freunde und Bekannte in Gruppen unterteilen. Teile private Statusmeldungen und Informationen nur mit deinen privaten Freunden – mit Listen ist das ohne Probleme möglich. Wer sich herausredet, das sei zu kompliziert, ist in diesem Fall schlichtweg zu faul.

4. Bedenke die Macht von Graph Search
Mach dir bewusst: Alle Likes und Kommentare, die du bei öffentlichen Postings und Fotos abgegeben hast, sind systematisch und einfach auffindbar. Mit Graph Search können andere (Photos commented by xy/ Photos liked by xy) alle öffentlichen Facebook-Aktivitäten, Likes und Informationen von dir durchsuchen. Überlege also, bevor du kommentierst oder „gefällt mir“ drückst: Kann ich das schreiben und liken, dass es jeder sehen kann? Bearbeite es alternativ im Aktivitätenprotokoll. Graph Search ist bislang nur für Profile auf Englisch verfügbar, die Suche findet aber Profile in allen Sprachen.

5. Mach deine Arbeit öffentlich
Klingt total banal, machen viele aber trotzdem nicht. Zeige deine Arbeit und teile Artikel oder Fotos. Ist übrigens eine schöne Selbstkontrolle: Wenn man seine Artikel nichtmal mit Freunden und Arbeitskollegen teilen möchte, sollte man vielleicht grundsätzlich über seine Themen nachdenken.

Was nervt: Du kannst deine privaten Freunde nicht von öffentlichen Posts ausschließen, übrigens schön beschrieben im Kommentar unter diesem Artikel. Schau also, dass du deine privaten Freunde nicht zumüllst. Jeder kennt das: Leute, die zu viel dummes Zeug auf Facebook stellen, sind ziemlich nervig.

Fazit
Als Journalist finde ich es wichtig, in sozialen Netzwerken ein digitales Ich zu haben. Warum sollte ich mich ausgerechnet beim dem Netzwerk verstecken, wo über 25 Millionen Deutsche angemeldet sind?

In Zukunft werden sich die Möglichkeiten, auf Facebook gefunden zu werden, noch deutlich erhöhen. Gerade 2013 hat Facebook eine Reihe neuer Funktionen eingeführt, die alle zeigen: Facebook will durchsuchbar werden.

Mit Graph Search werden alle öffentlichen Inhalte auf Facebook durchsuchbar. Nach Journalisten suchen, die in Berlin leben, und die man abonnieren kann? Kein Problem.

Hashtags, die es seit Sommer 2013 auch bei Facebook gibt, werden von den Nutzern bislang zwar wenig genutzt, fügen sich aber perfekt in das Bild der besseren Durchsuchbarkeit. Jeder kann seine Beiträge verschlagworten und über seine Freundesliste hinaus entsprechend sichtbar machen.

Wer das nicht nutzt, verschenkt ganz viel Potenzial – und zwar hauptsächlich für sich selbst.


Ich habe diesen Beitrag im Juni unter dem Titel „Warum mein Facebook-Profil nicht länger privat ist“ geschrieben, ihn nun noch einmal umgeschrieben, aktualisiert und um Tipps ergänzt.

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Ein Gedanke zu „Das private Facebook-Profil beruflich nutzen – 5 Tipps, wie das klappt

  1. Maik Bruns

    Hallo Andreas,
    es ist die ewige Diskussion, der man sich dabei hingibt – vielleicht schreibe ich selber auch einmal etwas dazu in einem Blogbeitrag..Abgekürzt kann ich meine Meinung wiedergeben mit:

    Ist alles ganz nett, wenn man für sich selbst keine Trennung zwischen Beruflichem und Privatem ziehen möchte. Das Problem dabei ist nur: Sobald man anfängt alles öffentlich zu posten, werden nicht nur an in Berlin lebenden Journalisten interessierte Dritte, sondern auch der eigene Freundeskreis mit dem beruflichen Teil des Freundes „belästigt“.

    Ich persönlich trenne deswegen recht scharf. Zumindest adressiere ich meine „Zielgruppe“ genau, wenn ich etwas berufliches schreibe – in Google+ zum Beispiel ist das sehr gut möglich. Wenn ich mit jemandem wegen seines Berufes verbunden bin, möchte ich schlichtweg nicht wissen, was er abends gemacht hat. Aber sein Artikel zu „X“ interessiert mich trotzdem.

    Es gibt also immer eine Grund, aus dem man sich mit anderen Menschen verbindet oder bereits per se verbunden ist: Weil mich seine Veröffentlichungen interessieren, weil er ein netter Typ ist, weil er Mitglied meiner Familie ist. Wir spielen alle mehrere „Rollen“. Deswegen finde ich das Konzept der Kreise bei Google+ auch so gut. So habe ich immer leicht die Möglichkeit zu entscheiden, was für andere interessant ist. Dass dabei die Öffentlichkeit auch zumeist ausgeschlossen ist, nehme ich gerne in Kauf. Doch nur, um zu wissen, dass ich ein SEO-Berater aus Emsdetten bin, muss ich nicht mein komplettes persönliches Profil öffnen. Dafür könnte man sich eine Fanpage zulegen.

    Nur meine Meinung. 🙂

    Antwort

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