WhatsApp-Erfolg in Deutschland: Der Nutzwert schlägt alles

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Screenshot der WhatsApp-Anwendung für iOS

Mir persönlich ist es besonders in den vergangenen Monaten aufgefallen: Trotz iMessage und Facebook-Messenger und SMS findet meine Textnachrichten-Kommunikation auf dem Smartphone noch häufiger als ohnehin über WhatsApp statt. Plötzlich ist man in wahnsinnig praktischen – manchmal auch wahnsinnig nervigen – Gruppen, was einen zum Teil riesigen Nachrichtenstrom auf dem Smartphone verursacht.

Der „Focus“ hat dieses vage Gefühl nun mit Zahlen untermauert: Demnach soll es im März dieses Jahres 13,7 Millionen WhatsApp-Nutzer in Deutschland gegeben haben. Im Oktober 2012 sollen es noch 9,3 Millionen gewesen sein. Zum Vergleich: Facebook kam im Oktober 2012 auf 12 Millionen mobile Nutzer, im März 2013 auf 15,6 Millionen.

Auffällig fand ich in den vergangenen Monaten, wie wohlwollend Nachrichten um WhatsApp von den ansonsten ja doch eher kritischen Lesern im Netz kommentiert wurden.

Während es zu Facebook regelmäßig ablehnende Kommentare gab, konnte WhatsApp für seine Anwendung Geld verlangen und erntet hierfür Zustimmung und Verständnis – bei Facebook undenkbar. Diskussionen gab’s dabei mehr um die Zahlungsmethode, als ums Bezahlen überhaupt (Beispiel).

Obwohl unter anderem Heise Security im September 2012 auf gravierende Sicherheitslücken bei WhatsApp hinwies, konnte dies dem Image des Dienstes in Deutschland offenbar nur wenig anhaben. Auch, dass WhatsApp auf Anfragen hierzu zunächst nicht reagierte, hatte keinen Einfluss auf das Wachstum. WhatsApp-Chef Jan Koum erntet dagegen mit populären Botschaften („Warum wir keine Anzeigen verkaufen“) Zustimmung.

Trotz mehr als 13 Millionen deutscher Nutzer sind die AGB bis heute (Mai 2013) lediglich auf Englisch verfügbar (Mittlerweile gibt es immerhin deutsche FAQ). Stiftung Warentest stufte WhatsApp im Mai 2012 als „sehr kritische App“ ein, da es die Nummern der gesamten Telefon-Adressbüchern der Nutzer überträgt.

Was man auch sagen muss: WhatsApp vermarktet keine Nutzerdaten und weist in seinen Bedingungen darauf hin, dass Nachrichten nur so lange auf den Severn gespeichert werden, bis sie übertragen sind – maximal 30 Tage.

Wie oben erwähnt: Es gibt durchaus Gründe, die App zu meiden. Mit Blick auf die Sicherheitslücken in der Vergangenheit bleibt zumindest ein zwiespältiges Gefühl, besonders wenn man sich vor Augen hält, wie viele Informationen man mittlerweile per WhatsApp verschickt. Dass der Dienst gerade in einem datenschutzsensiblen Land wie Deutschland so erfolgreich ist, finde ich deshalb schon erstaunlich.

Andererseits zeigt es den enormen Mehrwert der Anwendung: Im Fall von WhatsApp stellt der präzise und simple Nutzen die Bedenken zumindest bei über 13 Millionen Deutschen in den Schatten. Was für eine Leistung!

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Könnte auch spannend sein:
„Monströse Fehlentwicklung“ – Gespräch mit Christoph Kappes über AGB in Sozialen Netzwerken

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