Infografik: Wie „Wetten, dass…?“ Twitter dominiert

„Wetten, dass…?“ als Groß-Event auf Twitter. Die Anzahl der Tweets zum Thema am Tag der Sendung zeigt: „Wetten, dass…?“ stellt auf Twitter alle übrigen Ereignisse locker in den Schatten – das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem HSV und Bayern München hatte nicht einmal ein Drittel der Mentions im Vergleich zur ZDF-Sendung. Völlig abgeschlagen ist die RTL-Sendung Supertalent.

Unterschiede bei Facebook & Twitter

Besonders der offizielle @wettendass-Account konnte seine Follower-Zahlen während der zweiten Sendung kräftig steigern – um fast 15 Prozent. Die Mitarbeiter haben dafür aber auch einiges getan: Fast minütlich lieferte der Account Infos und Fotos direkt von der Bühne, retweetete andere User und beantwortete Fragen. Dass Twitter im Gegensatz zu Facebook eher der Kanal ist, um als User eine solche Sendung zu begleiten, zeigt sich bei den Wachstumszahlen: Der Facebook-Kanal der Wetten dass-Sendung konnte prozentual weniger zulegen, als der Twitter-Account.

Wie klein Twitter und Vergleich zu Facebook bei den Userzahlen in Deutschland aber noch immer ist, zeigt sich bei den absoluten Zahlen:  Die „Wetten, dass…?“-Seite bei Facebook hat mehr als zehnmal (!) so viele Fans, wie der Twitter-Account. In absoluten Zahlen hat die Facebook-Seite auch während der Sendung mehr Fans gewonnen als der Twitter-Kanal.

Öffentliche Wahrnehmung – tatsächliche Relevanz

Der Second-Screen ist zwar unbestritten ein echter Mehrwert zur Sendung. Sieht man die nackten Zahlen, muss man jedoch auch festhalten: Im Vergleich zu über zehn Millionen Zuschauern am Fernseher sind 10.000 Twitter-Follower im offiziellen Account eine fast verschwindend geringe Zahl. Zwischen öffentlicher Wahrnehmung und tatsächlicher Relevanz für die Zuschauer scheint es gerade bei Twitter derzeit noch große Unterschiede zu geben.

Ebenfalls auffällig: Auf die Twitter-Accounts der prominenten Gäste hatte die Sendung kaum Einfluss. Die Steigerungsraten bei den Followerzahlen lagen im minimalen prozentualen Bereich, ähnlich, wie an übrigen Tagen. Das ist bei @tomhanks und @robbiewilliams mit vielen Followers weniger erstaunlich als bei @david_garrett oder @gossipmusic.

Ich glaube, dass die Twitter-Kanäle auch für Sendungen wie „Wetten, dass…?“ in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen werden. Twitter wird noch mehr in die Mitte des Publikums rücken. Man darf allerdings nicht vergessen: Es wird auch in Zukunft einen hohen Anteil an Zuschauern geben, die sich einfach nur auf dem Sofa berieseln lassen möchten. Bei den aktuellen Zahlen sieht man außerdem, dass es derzeit noch einen deutlichen Unterschied zwischen gefühlter und tatsächlicher Wahrnehmung gibt.

Nachtrag 5.11.2012, 19:50 Uhr – Unterschiede bei den „Wettendass“-Mentions

Für die drei Vergleichszahlen von „hsvfcb“, „supertalent“ und „wettendass“ unter der Kategorie „Nennungen der Begriffe am 3. November auf Twitter“ habe ich die kostenlose Version von Topsy benutzt. Laut @michaelumlandt werden bei der Auswertung der „wettendass“-Tweets in der Pro-Version von Topsy höhere Zahlen angezeigt: über 34.000 Tweets. Inwiefern auch die beiden anderen Begriffe (hsvfcb, supertalent) in der Pro-Version höhere Zahlen haben, kann ich nicht sagen. Alle anderen Zahlen in der Grafik sind davon nicht betroffen.

Danke für den Hinweis, Michael!

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4 Gedanken zu „Infografik: Wie „Wetten, dass…?“ Twitter dominiert

  1. Steven

    Hallo Andreas,
    vielen Dank für deine ausführliche Auswertung und den schönen Artikel.
    Gestern konnte ich „Wetten, dass…?“ nur via twitter im Zug verfolgen und es war auch ohne das Fernsehprogramm recht unterhaltsam.
    Auch die erste Sendung mit Lanz hatte durch die parallele Nutzung der genannten Kanäle seine Mehrwerte. Deinem Fazit stimme ich zu. Traurig wird die Statistik nur, wenn man die Einschaltquote mit den zum Thema gesendeten Tweets vergleicht. Das könnte echt mehr sein, obwohl es schon Top Trend auf twitter war.

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  2. Fritz E.

    Noch lustiger wird es dann, wenn mein TV die Tweets usw. direkt TV-Bild integriert. Ich glaube, das ist komfortabler als zwei Screens. Und das erinnert mich an die alten VH1-Musikvideos, bei denen immer die Sprechblasen aufgetaucht sind. Da gab es also alles schon mal, nur jetzt darf jeder mitmachen.

    Antwort
  3. fuhriello

    Danke für die quantitative Fleißarbeit, dennoch meine frage: Läßt sich auch qualitativ etwas über die Unterschiede der Beiträge auf Facebook und Twitter was sagen? Die Zahlen selbst sind ein Beleg für die These, dass Medien sch untereinander oder miteinander beeinflussen und vice versa. Es fehlt mir neben den absoluten Zahlen weiterhin eine sorgfältige theoretische Ableitung. Die Tatsache, dass nur meist 1% der Fernsehzuschauer twittern bedeutet nur, dass der Beginn einer Doppelnutzung beider Medien und eine Kennzahl die daraus gebildet werden könnte,die Quote als Maßeinheit für die Beleibtheit einer Sendung ablösen wird. Ich habe die Twittereinträge bei der Fußball EM verfolgt, das sprach Bände, wie die Eigenansicht des z.B. ZDF mit der Beurteilung der Qualität der Sendung, des Kommentators, der Regie von der der Twitterer abwich.

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  4. andreasrickmann Autor

    Die Zahlen in der Grafik sagen natürlich gar nix über die Beliebtheit bzw. Unbeliebtheit der Sendung aus, da hast du vollkommen Recht.
    Ich glaube, es wird auch nicht mehr allzulange dauern, bis es hier auch intelligente Tools gibt, mit denen man die Beliebtheit einer Sendung „messen“ kann. Es gibt auf jeden Fall da schon einige spannende Forschungsprojekte, die in die Richtung gehen:
    http://www.wi.uni-muenster.de/kuk/forschung/projekte/themendynamik.html
    http://www.social-media-analytics.org/de/
    http://www.zeit.de/digital/internet/2011-09/twitter-stimmung-sozialforschung

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