„Im Netz der Begehrlichkeiten“: Über die DFB-Kicker auf Facebook

Für „Welt Kompakt“ habe ich mit Thomas Horky (@thomashorky), Professor für Sportjournalismus an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg, über die deutschen Nationalspieler in den sozialen Netzwerken gesprochen: zum Artikel

Im Gespräch mit Prof. Thomas Horky kamen noch weitere Aspekte zum Thema zur Sprache. Seine gesamten Zitate hab ich mit freundlicher Genehmigung von Prof. Horky deshalb hier online gestellt.

Warum haben die Nationalspieler während der EM einen so großen Zuwachs an Facebook-Fans zu verzeichnen?

Prof. Horky: Grundsätzlich ist es so, dass bei Großereignissen das Interesse immens steigt. Das ist auch bei allen Medien der Fall, die ebenfalls Quotenrekorde zu verzeichnen haben. Genau so ist es im Bereich Social Media auch. Während einer EM stehen die Spieler noch stärker als ohnehin in der Öffentlichkeit. Die Zunahme der Fans wird von der Aufmerksamkeit getragen, die sie bekommen.

Die Fans wiederum haben die Möglichkeit den Spielern vermeintlich nah zu sein und direkt mit ihnen zu kommunizieren. Das erzeugt ein Identifikationspotenzial, was es sonst so nicht gibt. Entsprechend gibt es mittlerweile genügend Spieler, die sich sehr professionell im Bereich Social Media betreuen lassen.

Gibt es Unterschiede zur WM 2010?

Prof. Horky: Ohne es empirisch belegen zu können fällt auf, dass die Social Media Kanäle der Spieler deutlich professioneller geworden sind. Dazu kommt aber auch, dass einige der Spieler-Nachrichten Marketing-Botschaften sind. Das kann man besonders bei Spielern sehen, die ihre Facebook-Seite hochprofessionell betreuen lassen.

Auch der DFB nutzt die Social Media Kanäle mittlerweile sehr professionell, um Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. So werden etwa Fotos von Spielern verschickt und andere Appetithäppchen gegeben. Vor der WM 2010 war das noch umstritten, weil man seine Lizenzrechte beeinträchtigt sah. Bei dem Turnier ist man jedoch dazu übergegangen, es auch zu nutzen.

Sind viele Fans bei Nationalspielern auch ein Zeichen für gute Inhalte?

Prof. Horky: Bei den Nachrichten der Spieler ist es sehr schwierig von guten Inhalten zu sprechen. Oft sind es Banalitäten, fast schon Klamauk oder eben Werbebotschaften. Viele Nationen haben Social-Media-Verbote erlassen, der DFB hat Richtlinien für die Spieler herausgegeben. Dadurch erfährt man tatsächlich sehr wenig auf diesen Kanälen.

Ist es der richtige Weg, dass die Spieler seichte und eher wenig aussagekräftige Botschaften von sich geben?

Pro. Horky: Aus Sicht der Verbände ist das richtig gut. Sie kanalisieren und kontrollieren so die Informationen. Aus Sicht der User ist das fatal, weil es so lediglich eine Spielerei der Akteure ist, die Nettigkeiten posten, was eigentlich keinen großen Sinn macht. Letztlich ist es lediglich ein Mehrwert an Kommunikation und es wird sehr stark als Marketing-Kanal genutzt.

Was könnten die Spieler aus Sicht der Fans an ihrem Social Media Botschaften verbessern?

Prof. Horky: Ich befürchte, dass es nach hinten losgehen wird, wenn der Bereich zu stark reguliert und für Werbebotschaften genutzt wird. Twitter und Facebook sind demokratische Medien, wo viele Nutzer solche Marketingbotschaften nicht gut finden. Auf diese Weise geht Authentizität verloren, denn diese Nachrichten sind nicht wirklich interaktiv. In den sozialen Medien sind aber die erfolgreich, die wirklich authentisch sind. In der Zukunft sehe ich genau da ein großes Problem. Meine Prognose ist, dass sich diese Marketinggeschichte irgendwann totlaufen wird.

Sind viele Fans in den sozialen Medien eine Art Währung?

Prof. Horky: Aufmerksamkeit ist generell eine Währung. Die Anzahl der Fans ist eine Währung, die monetär Erfolg verspricht. In Amerika gibt es Sportler, die über 1000 Dollar pro Tweet verdienen, wenn sie ihren Sponsor erwähnen. Auch Spieler wie Mesut Özil können mit der Aufmerksamkeit, die sie bei über fünf Millionen Facebook-Fans bekommen, werben. Das kann man runterbrechen bis zu olympischen Athleten, wo einige Sportler über die sozialen Medien mehr Aufmerksamkeit erreichen, als über ihre Sportart.

Links: Infografiken zum Thema „Facebook Fanzahlen“ und „Twitter Follower“ der deutschen Nationalspieler seht ihr hier und hier. In diesem Zusammenhang lohnt es sich unbedingt, diesen Link anzuklicken.

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